Das Apollo-Varieté-Programmarchiv (Duesseldorf-Magazin.info)

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Famoses Programm auf der Apollo-Bühne <p>

Diese Apollo-Artisten sorgen für ein wahrlich famoses Varieté-Vergnügen.

Wenn man ein Varietéprogramm "Famos" nennt, ist die Erwartungshaltung bei den Besuchern hoch, weiß Theaterleiter John Sinclair Kirkness, der für das letzte Apollo-Programm vor einer kurzen Sommerpause junge Artisten aus aller Welt verpflichtet hat. Junge Artisten? Eine famose Show? Passt das zusammen? Müssen für eine Show der Superlative nicht die ganz großen Namen der Branche, Artisten mit jahrzehntelanger Erfahrung, auf der Bühne stehen. Duesseldorf-Magazin.info-Chefredakteur Philipp Oeller war bei der Premiere des neuen Programms "Famos" und kommt zum Schluss: Das 75. Programm unter der Regie von Udo Püschel ist nicht nur ein sommerlich-spritziger Varietéspaß, sondern eine der besten Apollo-Inszenierungen der letzten Jahre.

Dabei lief es wenige Tage vor der Premiere alles andere als rund. Ein Artist des verpflichteten Duos Sergio brach sich ein Bein. "Weniger als zwei Wochen vor Showbeginn hatten wir also plötzlich eine Nummer zu wenig", so Udo Püschel, der daraufhin viele, viele Telefonate in alle Welt führte – und am Ende fündig wurde. "Wir hatten riesiges Glück und haben weitaus mehr als eine Notlösung gefunden"

Das "Duo Symbiose" sprang kurzfristig ein.

Bei der Premiere zeigte sich: Regisseur Püschel hat nicht zu viel versprochen. Keiner der nicht eingeweihten Zuschauer merkte, dass die Kanadier  Alain und Noémie vom mehrfach ausgezeichneten "Duo Symbiose" erst am Tag der Generalprobe nach Düsseldorf gekommen waren und man die Nacht hindurch an letzten Details des Auftrittes "gefeilt" hatte. Ihre Partnerequilibristik ist ein Dialog ohne Worte, der sich jedem Zuschauer intuitiv erschließt  - eine sich langsam anbahnende Liebesgeschichte zweier höchst unterschiedlicher Menschen. Sie die Punkerin mit zerrissenen Netzstrümpfen, er der spießige Hutträger mit roten Socken. Noémie, im wahren Leben junge Mutter, präsentiert sich kurz nach der Geburt ihres Kindes gelenkig wie eh und je - und begeistert die Zuschauer mit Dynamik, Ausstrahlung und Hand-auf-Hand-Akrobatik der Weltklasse.

Doch der hervorragend kompensierte Ausfall des Duos Sergio sollte nicht das einzige Problem bleiben. Die Strapaten-Künstler Ivan und Tatiana standen, wenige Tage vor der Premiere, mit gepackten Koffern in Kiew, doch die erforderliche Arbeitserlaubnis für Deutschland fehlte. Wieder telefonierten John Sinclair Kirkness und Udo Püschel, dieses Mal mit noch weniger Tagen "Puffer" vor der ersten Show. Am Ende half Bernhard Pauls Freundschaft zur italienischen Artistenfamilie Larible. Shirley Larible, die eigentlich erst ab August an Strapaten unter der Rheinkniebrücke "schweben" sollte, sprang kurzfristig ein und schnuppert nun Apollo-Luft, bis Ivan und Tatiana, ebenfalls an den Strapaten, arbeiten dürfen. Und auch diese "Vertretung" erwies sich bei der umjubelten Premiere, zu den Klängen italienischer Musik,  keineswegs nur als Notlösung, sondern als weiterer Mosaikstein zu einem rundum gelungenen Programm.

Premieren-Gast Linda Teodosiu (Deutschland sucht den Superstar) war besonders begeistert von Mr. Wow und Sammy Tavalis.

Apropos Premiere: Zu dieser war auch Beinahe-Superstar Linda Teodosiu mit Freund Simon Gincberg und Vater Flavius gekommen. Die 16-Jährige, die zwar zuvor schon häufiger im Circus, aber noch nie im Varieté war, zeigte sich in der Pause begeistert: "Es ist einfach super!" Besonders beeindruckt hat die Nachwuchs-Sängerin, die in der letzten Staffel der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" auf dem dritten Platz landete, der Diabolo-Artist Mr. Wow. "So etwas habe ich noch nie gesehen - einfach toll", schwärmte Linda über das Spiel mit den bis zu drei knallroten Diabolos, die über der Bühne rotierten, hüpften, sprangen und tanzten. Viel Applaus gab es von der Kölnerin auch für die Musikeinlagen von Moderator Sammy Tavalis, der – mit verbundenen Augen – aus Luftballons einen Kontrabass bauen kann, als jüngster Artist  Deutschlands das Apollo rockt, mit einem Bierglas und einer Gitarre "Aloha Oe" anstimmt oder für "Brasil" vollen Körpereinsatz benötigt, um ein gesamtes Samba-Orchester auf einmal darzustellen. Tavalis (21. Juni bis 20. Juli) teilt sich die Moderation mit Matthias Brodowy (bis 20. Juni). "Matthias Brodowy gibt der Show eine ganz andere Note. Obwohl die gleichen Artisten auf der Bühne stehen ist es ein ganz anderes Programm. Man kann also durchaus auch zweimal zu uns kommen", so Theaterleiter Kirkness.

Beim Auftritt von "Enemy Squad" steht das Apollo nicht nur Kopf, es dreht sich auch auf dem Kopf. Die ungarische Breakdance-Truppe, übrigens eine der wenigen mit einer Frau in den Reihen, lässt die Grenzen zwischen Tanz und Artistik in einem atemberaubenden Tempo verschwimmen und erobert die Herzen und den Beifall der Zuschauer im Sturm.

Für viel Beifall sorgt im Programm auch Einrad-Artist Erik Ivarsson. Der 24-jährige Schwede, der bereits im Alter von neun Jahren die Circusschule besuchte, zeigt auf insgesamt fünf Gefährten zahlreiche Tricks, überspringt Hürden oder balanciert, selbst auf einem über zwei Meter hohen Einrad sitzend, ein anderes Einrad auf dem Kopf und jongliert, ganz nebenbei, auch noch mit Ringen.

Erik Ivarsson überwindet auf dem Einrad fast jedes Hindernis.

Mehrfach am Abend stehen Timothy Trust und Julie auf der Bühne. Julie ist dabei nicht nur die Assistentin des Zauberers, sondern auch sein Medium. In einer Nummer, die ungläubiges Kopfschütteln bei den Zuschauern auslöst, übermittelt der Deutsche Meister und Vize-Weltmeister der Mentalmagie ohne Worte und offenbar auch ohne technische Tricks Vornamen, Personalausweisnummern und vieles mehr an Julie, die mit verbundenen Augen auf der Bühne sitzt. Kurze Zeit später wird der Karton, in den sie geklettert ist, von Schwertern durchbohrt. Es fließt Blut - jedenfalls scheint es so. Die geschwenkte weiße Fahne wird von Timothy Trust nicht akzeptiert. Schwert um Schwert wird durch den Karton hindurchgestoßen. Liebevoller geht Trust in seiner Bauchredner-Nummer mit seinem Frosch Terpentin um.

Warum der solch einen seltsamen Namen trägt und ob Julie die Messerattacke überlebt hat, erfährt man wohl nur bei einem Besuch in Roncalli's Apollo Varieté. Das Programm "Famos" läuft noch bis zum 20. Juli. Vorstellungen sind dienstags bis freitags um 20 Uhr, samstags um 17 und 21 Uhr sowie sonntags um 14 Uhr (zweimal monatlich) und 18 Uhr. Tickets unter www.apollo-variete.com

Von Philipp Oeller

Bellissimo - Varieté mit Temperament, <br> Tempo und Tenor! <p>

20 Artisten stehen bei "Bellissimo!" auf der Apollo-Bühne.

Was fällt Ihnen spontan beim Stichwort "Italien" ein? "Nudeln" - oder etwa doch eher "Urlaub", "Rom" oder der "Canale Grande" in Venedig...? Alles natürlich richtig und nicht abwegig, aber wer bereits in der neuen Apollo-Show "Bellissimo!" war, der denkt wohl zunächst an "Tenor", "Temperament", "Tempo" oder "tolle Artisten".  Das 76. Programm, das seit dem 21. August unter der Düsseldorfer Rheinkniebrücke zu sehen ist, versprüht südländisches Flair und ist gespickt mit Auftritten von erstklassigen Artisten aus dem Land von "La Dolce Vita".

Durch die Inszenierung führt kein geringerer als Riccardo Mancini, der bereits in der legendären Metropolitan Opera in New York auf der Bühne gestanden hat. Ihn "nur" als Tenor zu bezeichnen, wäre zu wenig. Er ist - ganz nebenbei - auch noch Komiker und Imitator. Einer der Höhepunkte des Varieté-Abends ist die Elvis-Presley-Version des Frank-Sinatra-Klssikers "My Way". Und weil es so schön ist, gibt es eine weitere Strophe von Dean Martin - Zigarette und lallende Stimme inklusive. Das furiose My-Way-Finale übernimmt dann der unvergessene Luciano Pavarotti.

Wenn Riccardo Mancini nicht gerade die Apollo-Gäste gesanglich begeistert, wird er von seinem "gute Freunde" Luigi auf Trab gehalten. Dieser hat sich nämlich auf den ersten Blick unsterblich in die blonde Italienerin Claudia verliebt hat.

Shirley Larible, gerade mal 18 Jahre alt, begeistert an den Strapaten.

Auf der Suche nach ihr treffen Riccardo und Luigi auch auf die brave Sekretärin Shirley, die sich plötzlich in eine aufreizend-erotische Strapaten-Artistin verwandelt. Die gerade erst 18-jährige Italienerin Shirley Larible steht, nachdem sie im letzten Apollo-Programm vor der kurzen Sommerpause bereits kurzfristig "eingesprungen" ist, nun ganz planmäßig auf der Bühne - bzw. klettert, hängt und dreht sich über selbiger. Shirley ist die Tochter der beliebten Clowns David Larible, der nicht nur im Circus Roncalli seit Jahren die Zuschauer begeistert.

Noch jünger als die grazile Strapaten-Artistin sind die aus Spanien stammenden Schwestern Katie und Quincy, die Kopf-auf-Kopf-Artistik zeigen. Trainiert haben die Azzario Sisters fast ein Leben lang, wie das bei Circuskindern oft der Fall ist. Seit dem Kindergartenalter haben sie zunächst spielerisch, dann im Hinblick auf eine künstlerische Karriere begeistert an sich gearbeitet. Ihre mit vielen Schwierigkeitsgraden gespickte "Hochstapelei" haben sie gemeinsam mit Eugenio Larible an der Circusschule in Verona entwickelt.

Doch nicht nur "Luigi" hat sich verliebt... Auch Riccardo hat ein Auge auf eine hübsche Italienerin geworfen, die auf Rollschuhen für rasante Drehungen, in die auch der eine oder andere Zuschauer einbezogen wird, auf einem nur zwei Meter breiten Podest sorgt. Dass sie in dieser Nummer nicht allein, sondern mit ihrem Partner als "Duo Giurintano" auftritt, stört den heißblütigen Tenor nicht sonderlich. Als die Auserwählte kurze Zeit später am Tuch über der Manege schwebt, sing er ihr ein Liebeslied - natürlich auf Italienisch und stilecht mit einer roten Rose in der Hand.

Und was macht derweil Luigi? Arbeiten! Im Hauptberuf ist der Casanova nämlich Mitglied des Clown-Duos "Los Gotys". Die beiden Brüder brillieren auf der Apollo-Bühne mit einer - im wahrsten Sinne des Wortes - pfiffigen Vogel-Lovestory und mit einer amüsanten Spiegel-Nummer.

Die "Pellegrini Brothers", Gewinner des "Goldenen Clowns" beim diesjährigen Circusfestival in Monte Carlo.

BolaBola ist übrigens keine Insel in der Südsee, sondern eine vor allem in Südamerika verwendete Wurfwaffe. Die Brüder Joe und Karel, "Los Saly", setzen die Bolas allerdings nicht als Waffe, sondern als Rhythmus-Gerät ein. Sie lassen die Bolas, untermalt von leidenschaftlicher Percussion-Musik (trommelt da nicht Luigis große Liebe Claudia???) über den Boden peitschen - oder  um die Köpfe der Besucher, um die sich Theaterleiter John Sinclair Kirkness aber keine großen Sorgen machen muss. Allerdings stockt dem routinierten Varieté-Chef bei der Armbrust- und Messerwurf-Nummer von Elena Busnelli und Giacomo Sterzer, alias "The Jasters", immer wieder der Atem: "Ich bin immer froh, wenn die Darbietung zu Ende ist und alle leben", so Kirkness. Und in der Tat sieht es gefährlich aus, wenn Sterzer Messer auf seine sich auf einer Scheibe drehenden Partnerin wirft oder er ihr in bester Tell-Manier mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf schießt.

Für ein furioses "Bellissimo!"-Finale sorgen die "Pellegrini Brothers", die beim diesjährigen Circusfestival in Monte Carlo den "Goldenen Clown" für ihr Lebenswerk in Empfang nehmen durften. Wenn sich die vier Brüder aus Mailand gegenseitig - mit scheinbarer Leichtigkeit - in perfekten Figuren in der Luft  balancieren, entsteht Hand-auf-Hand-Akrobatik der Spitzenklasse. Und die gestählten Oberkörper lassen die Herzen der weiblichen Besucher höher schlagen. Natale Pellegrini führt übrigens auch Regie bei "Bellissimo!" - eine Inszenierung, die diesen Namen verdient - einfach schön! Und wer erfahren möchte, ob Luigi am Ende doch noch seine große Liebe Claudia erobern kann, muss wohl - bis zum 26. Oktober - das Apollo besuchen, denn an dieser Stelle wird das natürlich nicht verraten.

Von Philipp Oeller

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