Düsseldorfer Stadtteile: Kaiserswerth (Duesseldorf-Magazin.info)

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Zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Abendstimmung am Rhein - und ein Blick von der anderen Rheinseite auf Kaiserswerth. (Fotos: Duesseldorf-Magazin.info)

„Kaiserswerth ist halt nicht nur für den Kaiser eine Reise wert..."

Diesen Satz sagte vor einigen Jahren ein rüstiger 86-jähriger Kaiserswerther zu mir, nachdem ich auf einer Bank am Rheinufer mit ihm ins Gespräch gekommen war und ausgiebig über die Schönheiten seines Stadtteils geplaudert hatte.

Was aus dem Munde eines jeden anderen Menschens wie ein plumper Spruch geklungen hätte, wirkte in diesem Fall so authentisch, dass es mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Dass die Kaiserswerther stolz auf ihren Stadtteil sind, spiegelte sich dann auch direkt im nächsten Satz des Rentners wieder:

„Hier pulsierte das Leben schon, als über Düsseldorf noch kein Mensch sprach..."

Unrecht hat das Kaiserswerther Original, das ich bis zu seinem Tod noch häufiger am Rheinufer oder in den kleinen Gassen seines "Städtchens" getroffen habe, damit nicht, zeigt sich beim Blick in die Geschichtsbücher: Bereits um 700 hatte der Mönch Suitbert ein Benediktiner-Kloster auf einer dem Rhein vorgelagerten Insel, einem so genannten Werth, gebaut, welches jedoch 88 Jahre später wieder zerstört wurde. 

Mitte des zwölften Jahrhunderts vergrößerte und verstärkte Friedrich Barbarossa die zu diesem Zeitpunkt rund 100 Jahre alte Kaiserpfalz, als er den Zoll aus dem holländischen Tiel nach Kaiserswerth verlegte. Rund um den Marktplatz florierte, begünstigt durch das dortige Zusammentreffen zweier Fernhandelsstraßen, die Wirtschaft. Matrosen der in Kaiserswerth wegen des Zolls ankernden Schiffe gaben ihre Heuer in einer der Kneipen aus.

Die Ruine der Kaiserpfalz kann besichtigt werden. (Foto: Duesseldorf-Magazin.info)

In einer Zeit also, in der Kaiserswerth Reichsstadt wurde, war wenige Jahre zuvor ein kleines Dörfchen an der Düssel, Düsseldorf, erstmals urkundlich erwähnt worden - weit entfernt von kaiserlichem Prunk, pulsierendem Leben oder großem Handel.  

Die heutigen Kaiserpfalz-Mauerreste stammen von dieser staufischen Pfalz ab. Im staufisch-welfischen Thronstreit hielt Kaiser Otto IV. hier hochrangige Gefangene fest. Zu deren Befreiung belagerte Graf Adolf von Berg die Pfalz mehrmals zwischen 1213 und 1215. Zur Erstürmung der Befestigung errichtete er einen Damm, so dass Kaiserswerth seine Insellage verlor. Nach der Schwächung des deutschen Kaisertums wurde Kaiserswerth dann 1273 an den Kölner Erzbischof verpfändet. 1397 kam es im Streit um Kaiserswerth zur einer Schlacht. Der siegreiche Kölner Kurfürst baute Kaiserswerth bis 1424 zur mächtigsten Festung in seinem Territorium aus. Seitdem gehörte sie mit kurzen Unterbrechungen bis 1772 zum Kurfürstentum Köln. 

Wer in die Geschichte eintauchen will, kann die Ruine von Mai bis Oktober, täglich von 9 bis 18 Uhr, besichtigen. Vom idyllischen Burgweg mit seiner einzigartigen Lindenallee bietet sich ganzjährig ein herrlicher Blick auf die Pfalz.

Auf dem Marktplatz pulsierte schon damals das Leben. (Foto: Duesseldorf-Magazin.info)

Im 19. Jahrhundert wurde Kaiserswerth auf ganz andere Weise berühmt: Theodor Fliedner gründete eine Diakonissen-Anstalt, in der unter anderem Florence Nightingale ausgebildet wurde. Das Klinikum, das seit 1975 Nightingales Namen trägt, ist heute Düsseldorfs größtes Krankenhaus, wenn man von der Universitätsklinik am anderen Ende der Stadt absieht.

Auf der Mauer des Biergartens der Galerie Burghof kann man den Abend ausklingen lassen. (Foto: Duesseldorf-Magazin.info)

Wer gesund nach Kaiserswerth kommt, bummelt entlang der historischen Häuserzeile rund um den Markt, besichtigt die Suitbertus-Basilika, kehrt in eine der zahlreichen Kneipen ein (in einer gibt es sogar Füchschen vom Fass) oder isst an der Ubahn-Haltestelle am "Berliner Imbiss" eine Currywurst. Diese wissen übrigens nicht nur die Ausflügler zu schätzen, die besonders an schönen Sommer-Wochenenden zu tausenden in Kaiserswerth "einfallen", sondern auch die knapp 8000 Einwohner dieses Stadtteils.

Von Philipp Öller

 

Kaiserswerth-Tipps von Duesseldorf-Magazin.info:

  • Die Currywurst am Berliner Imbiss (Rheinbahn-Pavillon) ist ein echtes Muss! Besonders harte Curry-Fans bestellen eine extrascharfe Portion.
  • An schönen Sommerwochenenden sollte man nicht mit dem Auto nach Kaiserswerth kommen, dann nämlich sind selbst die großen Parkplätze heilos überfüllt. Entweder die U79 nehmen oder aber auf der anderen Rheinseite in Langst parken und die Rheinfähre nutzen. Zwischen Mitte März und Mitte Oktober gibt es auch Linien-Verbindungen mit dem Schiff ab der Düsseldorfer Altstadt.
  • Besonders schön kann man einen Kaiserswerth-Ausflug im Biergarten der Galerie Burghof an der Burgallee 1 ausklingen lassen. An einem der Tische oder der Mauer sitzend kann man bei einem leckeren Alt das Treiben auf dem Rhein beobachten.

Freizeit in Kaiserswerth

Freibad Kaiserswerth

Das ehemalige Diakonissenbad wird heute vom Verein "Flossen weg" betrieben. Öffentliche Badenzeit ist täglich ab 12 Uhr, wer eine Jahreskarte hat, darf auch früher rein.

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Gastronomie in Kaiserswerth

Berliner Imbiss (Kaiserswerth)

Seit Mitte der 80er Jahre verkauft die Familie Müglitz echte Berliner Currywurst in Kaiserswerth – früher im kleinem Imbisswagen, heutzutage im Rheinbahn-Pavillon.

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