Reportage: Hinter den Kulissen im Marionetten-Theater Düsseldorf (Duesseldorf-Magazin.info)

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Kein Kinderspiel - Ein Knochenjob aus Leidenschaft

Von drei beweglichen Brücken aus wird gespielt.

Puppenspieler – was so leicht klingt und auf der Bühne so beschwingt ausschaut, ist ein hartes Stück Arbeit: Zwei Stunden lang steht ein Puppenspieler bei einer Vorstellung, wie beispielsweise bei „Momo“ im Düsseldorfer Marionetten-Theater, in gebückter Haltung. Wer von Natur aus groß ist, muss auch aufpassen, dass er – trotz gebückter Haltung – nicht mit dem Kopf an die Decke stößt. Das ist aber kein Wunder bei den 2,70 m langen Fäden, an denen die Puppen von drei fahrbaren Brücke aus bewegt werden; für eine Menschenfigur sind es auf jeden Fall mindestens zwölf Fäden. Bei Tierpuppen müssen andere Bedingungen erfüllt werden: Da kommt dann vielleicht noch tierspezifisch bei einem Frosch eine Blase am Hals hinzu, die beweglich sein muss, oder Ähnliches.

Wer glaubt, dass jeder der fünf Spieler den ganzen Abend lang eine Figur führt, liegt falsch: Da wird eine Figur schon mal von Hand zu Hand gereicht, wenn die jeweilige Szene das gerade erfordert. Natürlich muss alles ganz genau nach Plan laufen, damit kein Spieler einem Anderen ins Gehege kommt und alle Puppen rechtzeitig auf der Bühne sind oder die dieselbe verlassen.

"Rund drei Jahre braucht ein Spieler, bevor er richtig professionell Marionetten spielen kann." erklärt Anton Bachleitner, künstlerischer Leiter und selbst Puppenspieler.

Aber das ist das, was das Konzept des Marionetten-Theaters ausmacht: Sieben Mitarbeiter sind für alles zuständig: Puppenspiel, Herstellung der Puppen und Kulissen, Pressearbeit, Verwaltung, Werbung und noch vieles mehr. So beginnt die Arbeit nicht erst am Abend bei den Vorstellungen, sondern lange vorher: In der eigenen Werkstatt werden Zeichnungen der Puppen angefertigt, Kulissen in Miniatur gebaut, das Holz gesägt, bearbeitet, bemalt, die Kostüme hergestellt – und das ist längst noch nicht alles. Durch diese familiäre Atmosphäre und die Tatsache, dass der Theatersaal mit 98 Plätzen doch sehr heimelig ist, entsteht beim Zuschauer das Gefühl, er wäre ganz nah am Geschehen dran.

Es erfordert viel Konzentration und Geschick, die Marionetten zum Leben zu erwecken.

Und die rund 500 Puppen des Marionetten-Theaters kennen nicht nur ihr Düsseldorfer Zuhause: Sie waren schon im internationalen Raum auf Tournee, wo die Stücke relativ unverändert in deutscher Sprache, aber mit beschreibenden Programmheften in der Landessprache bzw. in Indonesien auch mit Übertiteln und Dolmetschern, gezeigt wurden.

"Was die Puppen auszeichnet, ist das Karikierende in ihrer Darstellung. Sie sollen eindeutig die Persönlichkeit ihres Charakters darstellen. Ich wurde schon gefragt, warum die Puppen denn aus der Nähe so hässlich sind." schmunzelt Bachleitner. "Aber für uns ist es wichtig, dass die Illusion erhalten bleibt – bis in die letzte Reihe. Und da sind große Augen und charakteristische Merkmale sehr wichtig."

Und die Illusion entsteht tatsächlich: Der Zuschauer vergisst schnell, dass die Figuren von Menschenhand geführt werden. Das liegt natürlich auch an den teilweise sehr natürlichen Bewegungen, die die Puppen ausführen können. Wenn die kleine Momo auf den Knien hockt und mit den Beinen wackelt, glaubt man tatsächlich, ein kleines Mädchen vor Augen zu haben, das mit den Beinen schlenkert.

Außerdem gibt es natürlich Stücke, die sich hervorragend fürs Marionetten-Theater umsetzen lassen: "Haben Sie bei einer 'Zauberflöte'-Vorstellung schon einmal eine Opern-Diva schweben sehen?", wirft Bachleitner ein. "Das ist durch Menschen auf der Bühne nur schwer realisierbar. Wir haben jedoch mit unseren Marionetten kein Problem damit." Und so kann auch das märchen- und zauberhafte Element in manchen Stücken sehr verstärkt werden.

Die Palette der Stücke, die immer wieder gespielt werden, reicht dabei über "Die Entführung aus dem Serail" bis zum "Faust", vom "Sommernachtstraum" bis zu "Die Schöne und das Biest".

Von Carina Clermont

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