Düsseldorfer Stadtteile: Urdenbach (Duesseldorf-Magazin.info)

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Urdenbach: Verwechslung einfach ausgeschlossen

Zehn Jahre ist es mittlerweile her, aber ich kann mich noch so gut daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ich war damals gerade nach Düsseldorf gezogen und absolvierte bei einer Tageszeitung ein Praktikum. In einer Terminankündigung schrieb ich "Unterbach" statt "Urdenbach", was ich allerdings erst abends bemerkte, als alles zu spät war.

"Ach - das fällt schon keinem auf", dachte ich – bis am nächsten Tag gleich mehrere Faxe und Mails aus Unter... äääämmmm... Urdenbach in der Redaktion eintrudelten. Man war nicht sehr erfreut ob dieses Fehlers, wie so etwas denn passieren könnte... Mir war das unheimlich peinlich und beschloss, schnellstmöglich mal einen Ausflug nach Urdenbach zu machen, damit das künftig nicht mehr vorkommt. Denn: "Wenn man den Stadtteil kennt, dann verwechselt man ihn auch nicht", so mein Gedanke damals.

So machte ich mich eines schönen Sommertages auf nach Urdenbach, den Stadtteil mit knapp über 10.000 Einwohnern im Süden Düsseldorfs. Und schnell wurde mir klar: Hier warst du sicherlich nicht zum letzten Mal.

In Urdenbach begegnet einem die Geschichte auf Schritt und Tritt. Die zahlreichen Fachwerkhäuser und Baudenkmäler, darunter die Böke-Pomp (Pumpe an den Buchen) von 1874, das Spritzenhaus (1784), die barocke Dorfkirche (1692/1693) und die neuromanische katholische Herz-Jesu-Kirche (1893/1894) laden förmlich dazu ein, sich auf eine kleine Zeitreise zu begeben. Vermutlich existierte Urdenbach, damals noch direkt am Rhein gelegen, bereits im 11. Jahrhundert als Fischerdorf. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 1385 als Lade- und Umschlagplatz für die Schifffahrt. Durch die Rodung von zahlreichen Waldflächen entstanden weitläufige Acker- und Gartenflächen. Mehrere Töpfereien, Ziegeleien und Webereien sorgten zusätzlich für bescheidenen Wohlstand.

Durch einen Wechsel im Flussverlauf des Rheines im 14. Jahrhundert (der einstige Verlauf lässt sich durch die Straße "Am Alten Rhein" und das heutige Bächlein Urdenbacher Altrhein nachvollziehen) bildete sich die Urdenbacher Kämpe heraus, eine Auenlandschaft mit ganz eigenem, herbem Charme. Sie ist das letzte nicht hochwasserfreie Gebiet von Düsseldorf. Ein besonderes Spektakel ist es immer, wenn der Baumberger Weg, der mitten durch das Naturschutzgebiet führt, gesperrt werden muss. Dann kommen Familien aus allen südlichen Stadtteilen, ausgerüstet mit Video- und Digitalkameras, nach Urdenbach und staunen über die Naturgewalt.

Bei Hochwasser wird natürlich auch der Fährbetrieb zwischen Urdenbach und Zons eingestellt, der ansonsten ganzjährig besteht und nicht nur von Wochenendausflüglern gern genutzt wird. Auch Urdenbacher, die in Dormagen arbeiten, nutzen die vom Rheinfährbetrieb Wolfgang Jansen & Söhne betriebene Fähre "Niederrhein", um schnell und staufrei auf die andere Seite des Stroms zu gelangen.

Damit der charakteristische Ortskern erhalten bleibt, wurde 1994 vom Rat der Stadt Düsseldorf eine Denkmalschutzsatzung beschlossen, die ganze Straßenzüge unter Denkmalschutz stellt. In der Begründung ist unter anderem zu lesen: "Da fast alle alten Dorfkerne des Düsseldorfer Südens vor allem in der letzten Nachkriegszeit einem erheblichen städtebaulichen Veränderungsdruck unterlegen sind, kommt den erhaltenen dörflichen Strukturen Urdenbachs eine besondere Bedeutung zu." Dass die Urdenbacher traditionsbewusst sind, zeigt sich auch beim alljährlich stattfindenden Erntedankfest (immer am ersten Sonntag nach dem 29. September). Organisiert vom Allgemeinen Bürgerverein Urdenbach e.V. (ABVU) sorgen die Urdenbacher Vereine und "Brauchtumsgruppen" mit mehr als 30 Gruppendarstellungen zum Thema "Erntedank" für die Festzuggestaltung. Zu diesem Anlass besuchen je nach Wetterlage bis zu 40.000 Gäste Urdenbach, um den Festzug und das Spektakel der "Schürreskarrenrennen", bei dem Einheimische mit Obst und Gemüse beladene Holzschubkarren durch das Dorf schieben, zu sehen. Die "Renn-Schieber" tragen dabei Holzschuhe (Blotschen).

Der wohl bekannteste Bürger Urdenbachs ist der frühere Oberbürgermeister und heutige Ehrenoberbürgermeister Josef Kürten.

Von Philipp Oeller


Urdenbach-Tipps von Duesseldorf-Magazin.info

  • Der ABVU gibt einmal pro Jahr die Kleine Urdenbacher Post heraus, in der nicht nur viele Urdenbacher Termine, sondern auch viele interessante Artikel aus dem "Dorf" zu finden sind. Die "Post" gibt es auch zum Download im PDF-Format - auf der Seite www.urdenbach.de (Der ABVU - KUP)
  • In Urdenbach gibt es eine Manufaktur für frische, leckere Kuchen und Torten, die Ruth Borchhardt "zaubert" und liefert. Weitere Informationen: www.kuchen-und-torten.de
  • Rock- und Blues-Fans kommen in der Kneipe "Zur Alten Apotheke", kurz Theke, auf ihre Kosten. Dort finden regelmäßig Live-Konzerte statt. Ab dem 1. Juli ist die Theke "Vereinsheim" des Raucherclubs Urdenbach, um das neue Nichtraucherschutzgesetz für Gaststätten zu umgehen.
  • Auch wenn sie bereits auf Monheimer Stadtgebiet liegt, so ist die biologische Station Haus Bürgel nicht nur einen virtuellen Besuch wert.

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